Wertvolle Bestäuber bedroht

Die Honigbiene und ihre wilde Verwandtschaft

Seit einiger Zeit ist die Bedrohung der Honigbiene bekannt. Unterschätzt wird aber noch immer die Bedeutung von Wildbienen, wie z.B. Hummeln und anderen bestäubenden Insekten wie Schwebfliegen, Schmetterlingen oder Ameisen. Sie liegt vor allem im unterschiedlichen Verhalten der Insekten, das zu einer optimalen Bestäubungsleistung beiträgt. Honigbienen sind Generalisten, die viele unterschiedliche Pflanzenarten besuchen, sie verlassen aber erst bei Sonnenschein und mind. 12 °C ihren Stock, während Hummeln auch bei leichtem Nieselregen unterwegs sind. Andere Wildbienen und Schwebfliegen sind Spezialisten, die nur wenige Pflanzengattungen bestäuben können und auf diese angewiesen sind. Fehlen diese Arten in der Landschaft, fehlen auch die entsprechenden Insekten. Sie können somit auch keine verwandten Kulturarten bestäuben.

Anteil verschiedener Insektengruppen an Blütenbesuchen auf Nutzpflanzen*

Wildbienen & Co leisten also einen ebenso bedeutenden Beitrag zur Bestäubung wie Honigbienen, werden aber kaum wahrgenommen. Zu Unrecht, wie die Grafik (oben) aus einem Bericht von Julia Koch im Magazin „Der Spiegel“ verdeutlicht. Sie schreibt zur Situation der wertvollen Bestäuber: „Bedroht sind … mancherorts mehr als 40 Prozent jener Insekten, die den Pollentransport von Blüte zu Blüte sichern, Wildbienen etwa oder Schmetterlinge. … Der Strukturwandel raubt hoch spezialisierten Wildinsekten den Lebensraum und die Nahrungsgrundlage.“

Rückblickend stellt Sie zur Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten fest: „Es blieben … Großbauern, die auf riesigen Flächen Raps für Biodiesel, Mais und Weizen anbauen. Es schwanden die bunten Blühstreifen am Feldrand, die Hecken, die satten Wiesen, gelb vom Löwenzahn. … Das bedeutet, … dass … Bienen kaum noch Nektar finden, sobald der Raps verblüht ist. …

(Früher) gab es die Frühjahrs-, die Sommer- und die Herbstblüte. Vorbei. … Es ist ein menschengemachter Schwund, der ernste Folgen haben könnte … für unsere Ernährung und Lebensqualität. … Denn ohne die Bestäubung durch Honigbienen und Hummeln, durch Schmetterlinge oder Mücken würden Kulturpflanzen wie Kakao, Kiwi oder Wassermelonen kaum gedeihen; bei Apfel, Kirsche, Kaffee, Mandeln, Avocado und Nektarine dürften Ausbeute und Qualität zumindest deutlich sinken.“

Schon im Eigeninteresse sollten deshalb - wo immer möglich – Nahrungsquellen und Habitate wieder hergestellt werden, z.B. durch naturnahe Gestaltung öffentlicher Raume und privater Gärten mittels Neuanlage von Säumen, Blühstreifen und -flächen oder artenreichen Wiesen.

Insbesondere der artenreiche Schmetterlings- und Wildbienensaum - ein Paradies für blütenbesuchende Insekten - bietet von Frühjahr bis Herbst Blüten in Hülle und Fülle und ist neben unseren Mischungen „Blumenwiese“ und „Blühende Landschaft“ bestens als „Soforthilfe“ für die Wildbienen geeignet.

Quelle: Spiegel 26/2016, S.98, Julia Koch, basierend auf Forschungen von A. M. Klein an der Universität Freiburg und weiteren Wissenschaftlern.

Spiegelartikel

Den Spiegel-Artikel
"Summ herum" finden sie unter (Downloads/Zeitungsberichte)

Große Harzbiene (Trachusa byssina) ist ein typischer Einzelgänger und auf das Sammeln von Hornkleepollen spezialisiert.
Die Matte Natternkopf-Mauerbine (Hoplitis anthocopoides) ist auf Arten der Gattung Natternköpfe spezialisiert.
Die Bunte Hummel (Bombus sylvarum) auf Rotklee. Ihr langer Rüssel erschließt ihr ein breites Blütenspektrum - ein wichtiger Bestäuber

Kurzfilme

Unter folgendem Link finden Sie interessante Kurzfilme zu diversen Wildbienenarten.
http://www.wildbienen-kataster.de/Film/