Logo Rieger Hoffmann

Ökologische Aufwertung von Feldrainen

Das ProSaum-Projekt - Beispiel für produktive Standorte im mitteldeutschen Trockengebiet

In den Schwarzerdegebieten Mitteldeutschlands sind kräuterreiche Feldraine entweder verschwunden oder haben sich - in Folge fehlender oder falscher Pflege - in artenarme, oft grasdominierte Bestände mit dicken Streuschichten verwandelt. Das folgende Beispiel auf Versuchsflächen der Hochschule Anhalt dokumentiert die Umwandlung eines von Glatthafer, Knaulgras und Quecke dominierten Feldraines in einen arten- und blütenreichen Bestand.

Üppiger Blühaspekt auf den Juni-Mahdvarianten im siebten Jahr (Juni 2017) durch Wiesen-Witwenblumen und Wiesen-Margerite
Entwicklung der funktionellen Gruppen von 2010 (vor Bodenstörung & Ansaat) bis 2017. Bodenstörung & Ansaat Spätsommer 2010
Auf den September-Mahdvarianten zeigte sich im siebten Jahr (Juni 2017) nur ein geringer Blühaspekt mit Wiesen-Labkraut
Zweiter Aufwuchs: Juni-Mahdvariante Ende Sept. 2017. Je tiefer die Mahd desto langsamer die Regeneration des nächsten Aufwuchses


Im August 2010 erfolgte auf den Grasrainen eine Mahd mit Abräumen des Schnittgutes und der dicken Streuschicht. Kurz vor der Ansaat im Spätsommer wurden die Ansaatflächen gefräst und gegrubbert. Optimal ist die Herstellung eines feinen Saatbettes. Die Samenmischung aus fünf Leguminosen, 39 sonstigen Kräutern und fünf Gräsern (alle aus zertifizierter, regionaler Vermehrung) wurde oberflächlich angesat und anschliesend angewalzt; die Ansaatmenge lag bei ca. 2000 Samen pro Quadratmeter. Im ersten Jahr wurden alle Flachen einmal Anfang Juni gemulcht (wenig Biomasseaufwuchs durch starke Sommertrockenheit) und einmal Ende August gemäht (mit Entfernung der Biomasse). Ab dem zweiten Jahr wurden fünf Versuchsflächen Mitte Juni und fünf weitere Anfang September gemäht. Bereits zwei Jahre nach Aufnahme des Pflegeregimes zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Mahdvarianten.
Die klimatischen und bodenbedingten Gegebenheiten in Mitteldeutschland begünstigten bei einer späten Mahd konkurrenzkräftige Graser (Glatthafer, Schmalblättriges Rispengras, Quecke, Knaulgras), wahrend eine Frühsommer-Mahd deutlich zur Förderung der Kräuter beitrug. Im Sommer 2017 betrug die mittlere Etablierungsrate der angesäten Arten 60% auf den Juni-Mahdflächen und 49% auf den September-Mahdflächen. Die kumulative Etablierungsrate lag dabei auf beiden Mahdvarianten bei ca. 80%.