Artenreiche Wiesen durch Nutzung erhalten

Mähzeitpunkt, -frequenz haben entscheidenden Einfluss

Was ist eine Blumenwiese?

Eine „Blumenwiese” im umgangssprachlichen Sinn ist eine Mischung aus Blumen und Gräsern heimischer Wildarten, die eine charakteri­stische Pflanzengesellschaft bilden. Der Blumenanteil liegt dabei in der Regel bei maximal 50%. Ohne Nutzung kommen Blumenwiesen in Europa dauerhaft nur an wenigen Extremstandorten vor. Die Wiesen unserer Kulturlandschaft sind also standortgerechte, naturnahe Pflan­zengesellschaften, die durch den Einfluss des Menschen entstanden sind und nur durch dessen beständigen Eingriff erhalten bleiben. Vor allem die Häufigkeit und der Zeitpunkt der Mahd (oder Beweidung) und die dazu verwendete Technik beeinflussen die Zahl und Zusam­mensetzung der Wiesenarten.

Die Margeritenblüte ist Indikator für den richtigen Mahdzeitpunkt
Optimale Verwertung des Mahdguts: Heu

In der Regel wird zu selten, zu oft oder zu spät gemäht

Am artenreichsten bleiben Wiesen durch eine 1-3 malige Mahd pro Jahr. Werden sie seltener gemäht, geht Vielfalt ebenso verloren wie durch Düngung und höhere Schnitthäufigkeit. Wiesen mit ursprünglich 40-50 Arten können dann innerhalb weniger Jahre auf nur noch 10-20 Arten reduziert werden.

Ein Bauer brauchte früher nach dem langen Winter ab Mitte Mai Fut­ter zur täglichen Versorgung seiner Tiere. So wurden starkwüchsige Wiesentäler in den Gemeinden oft schon früh zur Mahd freigegeben und je nach Bedarf abschnittsweise gemäht. Bei zweischürigen Wie­sen lag der 1. Schnitt aber in der Regel nicht später als an Johanni (24. Juni). Dann gab es noch einen weiteren Schnitt im August oder Anfang September. Gedüngt wurde meist nicht. Häufig bestand eine dritte Nebennutzung durch ziehende Schafherden zwischen Oktober und Anfang Mai1. Möchten auch wir heute einen langen Blütensom­mer haben, müssen wir uns den alten Wirtschaftsweisen der Bauern annähern: Abschnittsweises Mähen in der Fläche oder von verschie­denen benachbarten Flächen sorgt dafür, dass die Tierwelt der Wiese nicht auf einen Schlag Nahrungsgrundlage und Lebensraum verliert. Bleibt das Mahdgut zudem noch einige Tage zum Trocknen auf der Fläche, wie beim Heu machen, können mehr Samen ausfallen und die tierischen Wiesenbesucher (Falter, Bienen und allerlei andere Insekten) in die noch ungemähten Flächen übersiedeln.

Auswirkungen des Mahdzeitpunkts auf die Entwicklung der Biomasse und den Lichtgenuss bodennaher Arten

Zweimalige Mahd ab 15. Juni:
Früh-Spätmahd (FSM)

Ein früher Schnitt ist umso wichtiger, je nährstoffreicher der Standort ist. Gräserbetonte Wiesen an nährstoffreichen Standorten (Frischwie­sen) bilden - mit den Wasser- und Nährstoffvorräten des Winters - im Frühsommer einen enormen Massenwuchs. Dieser Effekt wird durch die zunehmende Erwärmung unseres Klimas noch verstärkt. Mit einem frühen Schnitt zwischen Ende Mai und Mitte Juni (inkl. Abfuhr des Mahdguts) nehmen wir den Gräsern viel von ihrem Wuchs und sorgen für ausreichend Licht auch für konkurrenzschwächere Blumen in der Wiese. Bei einer frühen Mahd haben einige Arten aber ihre Samen­bildung noch nicht abgeschlossen und bilden im Laufe des Sommers einen neuen Blütenstand, der oft erst im Spätsommer reift. Hierzu müssen wir ihnen ausreichend Zeit lassen, so dass der zweite Schnitt nicht vor Anfang bis Mitte September liegen sollte. Die Samen dieser späten Blüten reichen aus, um die Arten der Wiese zu erhalten, da es sich um ausdauernde Gräser- und Staudengesellschaften handelt, die sich nicht jedes Jahr erneut aus Samen entwickeln müssen.

* Zahn, A. (2014): Geschichte der Beweidung in Bayern - In: Burkart-Aicher, A.et al., Online-Handbuch "Beweidung im Naturschutz",  Akademie für Naturschutz und Landespflege (ANL).

Grafik-Quelle: Wieden, M. (2004) / Sinn und Unsinn von behördlichen verordneten Fixterminen in der Landwirtschaft.
BfN-Skripten 124